Jedermann betrifft jede Frau, jedes Kind, jeden Menschen, alles „Leb-Endige“.
Gemeint sind wir, die wir nur Gast sind auf Erden, uns aber zu oft so benehmen,
als wüssten wir es nicht. Getrimmt auf mehr oder weniger erfolgreiches Verdrängen
lebt es sich drauflos, im Mittelater, in dem dieses Stück wurzelt, genau so wie heute.
Aber: Es tut gut, zumindest ab und zu ans „Endende“ in uns, dann aber auch
darüber hinaus zu denken. Möge Ihnen unser „Ranklr Jedermann“
dazu mehr als nur gute Unterhaltung bieten!
Regisseur Gerhard Mariani:
Wenn sich über 50 Menschen aus Rankweil und der näheren
Umgebung mit ihren Talenten in ein solches Projekt einbringen,
wie es der „Ranklr Jedermann“ darstellt, dann ist das
doch ein deutliches Zeichen dafür, wie groß die Lust am Theaterspiel
in unserem Ort (wieder) ist. Umso mehr freut es mich,
dieser Spiellust im bearbeiteten Jedermann-Thema eine Form
geben zu dürfen, die zusammen mit dem einzigartigen Ambiente
unseres Spielortes vor der Basilika die wohl immer gültige
Botschaft transportieren kann, der Mensch möge doch seine
Endlichkeit bedenken und danach handeln. Damit dürfen wir
Ranklr nämlich auch der Intention Hugo von Hofmannsthals
folgen, der seinem Jedermann wünschte, allmählich „Volksgut“
zu werden. Schön, dass Sie durch Ihr Kommen dazu beitragen
und so unserem Theaterprojekt Mut für weitere Lebenszeichen
machen. Herzlich willkommen !
Msgr. Dr. Walter H. Juen:
Jedermanns Weg führt ins Grab. Diese auf den ersten Blick wenig
erbauliche Zukunftsaussicht gilt nicht nur für die Hauptperson im
Spiel von Hugo von Hofmannsthal. Jeder von uns hat ein Ablaufdatum.
Dieses verlangt, unserem Leben Richtung und Sinn zu geben,
die über das eigene Ich und diese Welt hinausweisen. Das Spiel vom
Sterben des reichen Mannes zeigt, wie der Hauptdarsteller angesichts
des Todes, seine Lebenspartner und Lebensentscheidungen auf ihre
Zukunftsfähigkeit überprüft. Wir erleben sein Werben und Ringen,
sein Zweifeln und Hoffen und erkennen darin unser eigenes Suchen
und Sehnen nach über den Tod hinaus treuen Partnern.
Wir sind definitiv und über das irdische Leben hinaus von Gott
geliebt. Diese urchristliche Botschaft verkündet uns das Spiel des Jedermann.
Manchen Ohren mag das allzu fromm klingen, und manchen
als Träumerei erscheinen. Doch ist es ein Zeichen von Vernunft, diese
Liebe Gottes ins Leben zumindest als Möglichkeit einzuplanen und
entsprechend zu denken, zu sprechen und zu handeln. Gottes Wege
mit uns zeigen, dass unser irdisches Leben nicht alles ist. Der Ranklr
Jedermann begleitet uns auf diesen Wegen ein Stückchen.