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Wallfahrtskirche Basilika Rankweil
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Habemus unseren „Jedermann“!
von Dr. Edgar Schmidt
 
Salzburger Festspiel-Klassiker in Rankweiler Dialekt zu Füßen des Liebfrauenbergs
Rankweil. 500 Jahre Basilika neu - 350 Jahre Gnadenkapelle - 250 Jahre Gnadenaltar. Wie kann man solche kirchliche Jubiläen neben liturgischen Festen auch „weltlich“ feiern? Nun, da die Kunst in den Augen vieler Weiser ja eine Schwester der Religion ist, entschied sich Wallfahrtsseelsorger Walter H. Juen für einen Mittelweg zwischen den beiden und feierte mit einem höchst engagierten Team den Höhepunkt der Jubiläen mit einer Rankweiler Dialekt-Adaption des berühmten Klassikers der Salzburger Festspiele, des „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929). Hier ein literarisches Stück österreichischer Kulturgeschichte in allerdings ungewöhnlichem Gewand, dort eine Parabel über Sinn des Lebens und des Todes mit einer stringenten Botschaft, die aus der Bibel stammen könnte. Die umjubelte Premiere in der Spätsommernacht machte deutlich: Rankweil, Vorarlberg haben ab jetzt ihren „Jedermann“, der die Spieltradition am Liebfrauenberg aus dem letzten Jahrhundert sehr wohl in neuem Glanz fortsetzen kann und soll …
 
Der „Ranklr Jedermann“
Habemus… Für die sprachliche Dialektfassung bzw. zeitliche Umsetzung ins 20. Jahrhundert und die Regie ist der bekannte Fachmann Gerhard Mariani verantwortlich. Ihm gelingt das Kunststück, gerade durch die (vorwiegend gereimte) volkstümliche Sprache das Publikum sehr direkt anzusprechen, ohne deswegen aber den Geist des genialen Hofmannsthal zu verdrängen. Altmeister Hugo Ender hat zusammen mit Ernst Wäger und Josef Beiser einen ebenso schlichten wie monumentalen Bühnenbau am Kirchplatz errichtet, der zu Füßen der Basilika mit der perfekten Licht-und Tontechnik (Martin Beck), Pyrotechnik (Christian Preiss), Kostümausstattung (Bianca Sellge, Marianne Frick ) und den Video-Visuals von Julia Heller und Ulli Herburger das Bühnengeschehen zu einem eindringlichen optischen Spektakel machten.
 
Das Ensemble
Über fünfzig Laienschauspieler samt hervorragenden Protagonisten, Statisten und Engelschar (ohne textliche, sprachliche oder darstellerische Schwächen) taten ihr Bestes und boten eine imponierende Gesamtleistung. Alle Hauptfiguren aus dem Hofmannsthal-„Jedermann“ waren präsent, einzig der Tod trat nicht auf (!), zeigte nur mehrmals seine Sense und sprach auch das bedeutsame Wort „Ich bin der Tod“ nicht. Christian Urban als Jedermann vermochte faszinierend glaubwürdig und farbenreich den Weg vom reichen, unbarmherzigen Lebemann bis hin zum reuigen Sünder in der Todesstunde zu gehen. Seine Buhlschaft Judith Wölfle wirkte hingegen ziemlich cool und verschwand plötzlich ohne den berühmten Schrei. Glanzpunkte der Aufführung waren neben Urban etwa Selly Frick als berührende Mutter Jedermanns, Angelika Kerschhaggl-Linder und Eva Scharinger als würdevoller Glaube bzw. gebrechliche Werke, Manfred Kräutler als aalglatter, zynischer Mammon und Harald Keckeis als entfesselt lärmender Teufel mit wildem Rocker-Kumpan. Freddy Willinger, Hans Reinthaler, Lothar Rothmund, Martin Salzmann, Jürgen Frick oder Werner Ketterer u. a. samt Gottes Stimme von Otto Wund komplettierten eindrucksvoll den „Ranklr Jedermann“. Die Tischgesellschft lieferte einige gute Pointen, zog sich aber durch Geschwätzigkeit etwas in die Länge. Und die Jedermann-Rufe erschollen zu zaghaft. Fünfmal (zu Recht) ausverkauft - da freute sich nicht nur der Mammon, sondern auch die hohe Geistlichkeit vom Liebfrauenberg… Auf Wiedersehn anno neun!
Dr. Edgar Schmidt
 
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